1. Auszug aus dem mehrseitigen Beitrag mit Fotos in der 5. Ausgabe des ENTREE-Magazins:
  2.  
  3. Mit Nadel, Faden und Stoff              
  4.  
  5. Aranka Németh-Hopp zaubert Quilts, die verzaubern
  6.  
  7.  
  8. Am Anfang hielt sie sich streng an die Tradition. Jetzt macht sie, was ihr einfällt und gefällt. Die gebürtige Ungarin Aranka Németh-Hopp entwirft und näht Quilts, die auch auf internationalem Parkett Eindruck machen. Jeder ein Blickfang für sich. Ihre Werkstatt in Kreuzlingen ist eine Drehscheibe für Liebhaber und Kenner der Kunst.
  9.  
  10. Ein altes Fabrikgebäude in Kreuzlingen, gleich hinter dem Zoll. Zutritt nur durch einen Nebeneingang. Die Holztreppe stöhnt unter jedem Schritt. Es riecht nach Papier und gestern. Aber nur bis oben, bis Aranka-Németh-Hopp die Tür zum umgebauten Loft im ersten Stock aufmacht. Dahinter sieht es ganz anders aus. Ein langer, Licht durchfluteter Flur, weiße Wände, breite Türen. Bilder. Die Galerie mit Aranka Németh-Hopps textiler Sicht auf die Welt. Der schlichte Raum als Bühne für Geschichten in aufregenden Mustern und leuchtenden Farben. Das Leben, äußerlich und innerlich dargestellt durch Komposition, Farbe, Material – darum geht es der Künstlerin. Sie drängt manchmal ins Unberechenbare, Visionäre, Grenzenlose. Dann wieder beschränkt sie sich auf eine Erinnerung, eine Stimmung, einen Gedanken. Jede Arbeit hat einen eigenen Rhythmus, fast jede einen Namen, der Assoziationen bestätigt: „Barred Window“, „Galaxis“, „Zeitung“, „Zwischen den Zeilen“, „In the Heat of the Night“. „Dorles Garten“, dessen Oberseite aus farbenfrohen, schmalen Streifen und Rechtecken besteht, ist eine Hommage an die Gärten von Monet. „Kacheln“ entstand nach einem Foto von einer Wand in Madeira. Jedes Motiv ist ein Kosmos für sich. Sie sei eine Besessene, bekennt die Künstlerin und führt in ihr Atelier, das sie, die die Betonung auf handwerklich perfektes Arbeiten legt, bescheiden Werkstatt nennt.
  11.  
  12. Stoffe an der Wand, auf Tischen, in Regalen, auf Regalen. Beschriftete Schachteln, Schubladen, Kisten. Eine bunte Vielfalt, die die ästhetische Grenze zwischen Kunst und Wirklichkeit zu sprengen scheint. In diesem 50 Quadratmeter, gut vier Meter hohen Raum wird gehortet, gehirnt, genäht. Von früh bis spät. Kein Blick auf die Uhr. Hier wachsen Stich für Stich Quilts von Format. Hier wird Wissen weitergegeben – an Anfängerinnen und Fortgeschrittene. Hier können Kunden der Künstlerin auf die Finger schauen, nach eigenen Wünschen bestellen oder Fertiges kaufen. Hier entstehen Bildwerke, deren Ausdruck Eindruck macht. „Meine Frau  braucht den Stoff. Sie hängt den ganzen Tag an der Nadel“. Lajos Németh, zitiert Lajos Németh. Er hat die Umtriebigkeit seiner Frau in einer Laudatio zu einer Ausstellung in einer Klinik bei München auf den Punkt gebracht. Ja, bekennt sie freimütig, „ich bin süchtig“.
  13.  
  14. Dazu gehört auch ihr leidenschaftliches Sammeln von Stoffen. Wie ein Spürhund sucht sie nach Läden, nach Besonderem. Und immer wieder wird sie fündig und stockt ihre Vorräte auf, sortiert sie in das Riesenregal in ihrer Werkstatt, nach Farbe, Muster, Qualität. Tausende von großen und kleinen Bahnen und Stücken. Baumwolle, Leinen, Seide sind ihr am liebsten. Nur Synthetisches kommt ihr nicht in die Kiste. In den Schränken, auf den Schränken und Regalen hortet sie Raritäten: Bänder, Streifen, Gewirktes und Gewebtes aus aller Herren Länder. Freilich, „Qualität muss man mit der Lupe suchen“. Auch bei den „Zutaten“ ist sie ständig auf der Suche nach dem Optimum. Ein Blick in Schubladen sagt mehr als viele Worte. Beste Garne, oft Reste aus Fabriken, in allen Farben. Dann wieder Alltägliches, Weggeworfenes, das durch die Wiederverwendung  zu neuer Würde gelangt. Stoffblumen, Federn, Netze für Obst und Gemüse – Aranka Németh-Hopp greift ins volle Leben und kombiniert nach Lust und Laune. Aber weil ihr das, was sie bereits hat und was es fertig gibt, oft nicht das ist, was sie will, färbt sie die Stoffe für ihre Bildwerke nicht selten auch selbst.
  15.  
  16. Für alles nimmt sie sich Zeit. Manchmal viel Zeit und betont: „Ich lege großen Wert auf handwerkliche Qualität. Meine Ansprüche sind hoch.“ Deshalb lässt sie Halbfertiges oft liegen und wartet, bis ihr eine zündende Idee zum Weitermachen auf die Sprünge hilft. Solange wird es auf der „Steckwand“ deponiert, ihrer „Spielwiese“ zum Ausprobieren, Studieren, Sortieren. Da betrachtet die Künstlerin ihre Kombinationen aus der Nähe und von weitem, sieht und spürt ihre Wirkung. Welche Form passt, welches Muster, welche Farbe? – jeder Griff bedeutet Entscheidung. Für den Laien liest sich diese Wand fast wie eine Arbeitsanleitung. Vor allem aber klärt sie über die Entstehungsstufen auf, über den Aufwand, der hinter jedem fertigen Produkt steht. Aranka Németh-Hopp lässt dem Betrachter Zeit und klärt dann noch auf: „Meine Patchworks nähe ich mit der Maschine. Das Quilten mache ich meistens per Hand.“ Dazu muss man wissen, dass genau drei Schichten einen Quilt ausmachen: ein oberer Teil, genannt Patchwork, darunter ein Vlies und als Letztes der Unterstoff. Quilten heißt dann der Vorgang, bei dem diese Lagen kreuz und quer über die ganze Fläche zusammen genäht werden. Dazu die Künstlerin: „Es ist die gesteppte Struktur, die den Quilt lebendig machen.“ Eine einfache Erklärung für einen gigantischen Prozess. Immerhin tausende von millimetergroßen, exakten Stichen sind nötig für das charakteristische Bild dieser traditionellen Technik.
  17.  
  18. Als Aranka Németh-Hopp vor rund dreißig Jahren anfing, hielt sie, die Audodidaktin, sich ohne Wenn und Aber an die Vorbilder von früher, vor allem an die Arbeiten der Amish mit ihren streng geometrischen Mustern und kräftigen Farben. Bald merkte sie, dass sie auf der Stelle trat und ein Weiterkommen nur mit professioneller Hilfe möglich war. Also machte sie sich in Seminaren Schritt für Schritt weiter schlau und perfektionierte ihr Tun an allen Ecken und Enden. Dann, vor etwa vier Jahren geschah das Entscheidende: Bei einem Professor in den USA, in Pennsylvania, hörte sie „Entwurfslehre“ und das war die Initialzündung für ihre „Befreiung“. Seither lässt sie ihrer Fantasie freien Lauf und meint: „Es muss noch viel mehr aus mir heraus.“ Ihr Mann Lajos sieht das gerne. Er, Architekt, hat Verständnis für das Faible seiner Frau. Weil er selbst musiziert und auch die Kinder in musischen Berufen gelandet sind. Die Tochter ist Malerin, der Sohn Schauspieler. Frau Aranka rundet das vierblättrige Künstler-Kleeblatt ab.
  19.  
  20. Text: Renate Endres
    NEUES   2017   NEWS
Kinderprojekt „Quiltloft beschenkt Kinder“
 
Schon seit einigen Jahren nähen wir Quilterinnen Kinderdecken für Waisen- und Kinderheime in Tansania, Rumänien etc.
Wir verwenden ausschliesslich Reste, die wir zuerst nach Farben und Tönen sortieren und zurechtschneiden.
In fröhlicher Atmosphäre bügeln, schneiden und nähen wir einen ganzen Tag lang.
Wir machen wenig Pausen, dafür sind wir kulinarisch bestens verpflegt.
 
Wenn Sie Lust haben, sich anzuschliessen und das Projekt zu unterstützen, melden Sie sich bei mir. Es werden Büglerinnen, Näherinnen und Helferinnen gebraucht.
Ich freue mich auf tatkräftige und wohlwollende Mitwirkung.
 
Die Termine für die Nähtage sind voraussichtlich am:
18.003.2017/ 10.06.2017 / 23.09.2017/25.11.2016
Eindrücke vom Nähtag am 1. November 2014
Das fertige Gemeinschaftswerk am Ende des Arbeitstages
Weitere Bilder vom 21.11.2015
Erschienen im patCHquilt Schweiz:
 
Mit farbenfrohen fröhlichen Quilts Freude schenken
Schon seit etlichen Jahren engagiert sich Aranka Nemeth vom Quiltloft in Kreuzlingen, damit bedürftige und in Heimen lebenden Kindern in unterschiedlichen Ländern mit Hilfe von fröhlichen und wärmenden Quilts Freude erleben und Zuversicht fassen können.
Begonnen hatte das Kinderprojekt mit einem Spendenaufruf für von der Atomkatastrophe in Tschernobyl betroffene Kinder. Damals, 1998, entstanden die ersten Kinderdecken für Waisenhäuser.
2000 und 2001 gingen diese Decken an Kinderheime in Weissrussland und Moldawien. Leider erhielt Aranka Nachricht, dass der Transport der Quilts nicht mehr gewährleistet werden könnte. Schikanöse Zollvorschriften liessen befürchten dass, weil die Empfänger die überhöhten Gebühren nicht mehr zahlen konnten, die Decken schliesslich auf dem Schwarzmarkt landen könnten.
Nun war guter Rat teuer, denn natürlich wollte Aranka mit dem Kinderprojekt fortfahren.
Ursula Götz, ein Mitglied der Kreuzlinger Quiltgruppe, machte den Vorschlag, doch mit den Baldegger Schwestern Kontakt aufzunehmen. Diese betreuen ein Kinderdorf in Tanzania, Mbingu Village, wo etwa 30 Kinder intern und 30 Kindern extern betreut werden. Zusätzlich werden in diesem Kinderdorf Schwestern und Kindergärtnerinnen in der Montessori-Pädagogik ausgebildet.
Sehr gerne wurde Arankas Angebot angenommen und natürlich sollte jedes der Kinder grosse Freude an einer eigenen, farbenfrohen Decke bekommen.
Die Baldegger Schwestern sorgen für den Transport der Quilts nach Tanzania, fotografieren jeden Quilt mit dem/der neuen, stolzen BesitzerIn und senden die Bilder an Ursula. So füllen die Fotos der glücklichen Empfänger mittlerweile schon etwa 4 Ordner. Ein besonders gelungenes Bild ist das Foto mit den Drillingen Zakaria, Sesillia und Ezekiel.
Kamen anfangs 4-5 Frauen zusammen, um mit einander zu nähen, so ist mittlerweile die Gruppe auf 10-12 Quilterinnen angewachsen, darunter auch je eine Dame aus Berlin und Österreich. Alle paar Wochen trifft man sich, um in fröhlicher Atmosphäre intensiv zu nähen, zu bügeln und zu diskutieren. Besonders erwähnenswert ist, dass Aranka alles Material und Nähmaschinen zur Verfügung stellt. Die „Arbeitsbienen“ müssen also nur gute Laune mitbringen!
Natürlich werden im Laufe eines solchen Nähtages etliche Tops fertig gestellt, die „nur“ noch gequiltet werden müssten. So ist es ein grosses Glück und grosse Hilfe, dass sich in Verdankens werter Weise Margrit Rathgeb von quilt-service.ch anerbot, die Kinderquilts auf ihrer grossen Longarm-Quiltmaschine zu quilten.
Schon nach kurzer Zeit konnten die fertigen Decken bei Margrit abgeholt werden. Und natürlich durfte an diesem Tag auch ein Blick in Margrits Studio nicht fehlen. Einige Damen von Arankas Gruppe durften sogar erste Versuche mit der Longarm-Maschine starten, nur um festzustellen, dass es sehr viel Übung benötigt, um zu einem befriedigenden Resultat zu kommen.
In amerikanischen Quiltshops sieht man des Öfteren ein Schild, das besagt:“Quilters make the better comforters“. Im amerikanischen Sprachgebrauch ist ein „comforter“ nicht nur eine Person, die tröstet, sondern auch eine wärmende Steppdecke. Und so sollen die Quilts, die an Kinder in aller Welt verschenkt werden, sowohl Trost als auch Wärme spenden.
Die Drillinge, von links: Zakaria, Sesillia und Ezekiel